Pendlerpauschale oder Home-Office?

Zumeist fahre ich mit dem Auto zur Arbeit, wie hunderttausende andere auch. Für die 26 Kilometer im Grossraum Köln/Bonn von Haus zu Haus benötige ich 20 Minuten bei idealen Bedingungen - und mehr als 60 Minuten, wenn es weniger gut läuft. Was im Herbst und Winter, bei Baustellen oder Hitze, nach Ferien oder bei Streik der Regelfall ist. Also quasi immer. Bevor einer meckert: ÖPNV funktioniert nicht besser. 55 Minuten pro Strecke im Regelfall, einmal umsteigen, alle 30 Minuten. Sind Bus oder Bahn verspätet, erhöht das die Reisedauer.

Zwei Stunden am Tag im Auto. 10 Stunden in der Woche, 40 Stunden im Monat. Der Arbeitszeitgegenwert einer ganzen Woche Arbeit, im Auto vertrödelt, jeden Monat. Dazu kommen die Kosten: Mindestens 40 Cent pro Kilometer kostet selbst mein Kleinstwagen, errechnet der ADAC. Macht gut 4.000 EUR pro Jahr.

Und warum das alles? Weil es (allen Beteuerungen zum Trotz) häufig durchaus als wichtig angesehen wird, “vor Ort” zu sein. Sich persönlich zu sehen. Was natürlich nur Sinn macht, solange die zu sehenden Menschen ebenfalls persönlich anwesend sind. Ein sich selbst verstärkendes System also.

Tech-Gigant Google hat zwei Jahre lang die Auswirkungen und Erkenntnisse zu Remote-Arbeit untersucht. Die Studie liegt jetzt vor. Aufgrund seiner Größe ist Google ein geeigneter Untersuchungsgegenstand, es gibt Teams überall auf der Welt, in allen Zeitzonen, in großer Anzahl. Ein Ergebnis: Auch wenn man durch geeignete technische Maßnahmen die Zusammenarbeit erleichtern kann, kommen dennoch “soziale” Faktoren hinzu. Es ist wichtig, dass sich Teams “verbunden” fühlen.

Das bringt mich wieder zu meiner persönlichen Situation. Viele Firmen (auch “meine” Zurich) setzen auf “shared desks”, auf “open spaces”, verbunden mit der Idee, dass aufgrund von Projekttätigkeit, Reisen, Urlaub oder anderem sowie nie alle anwesend wären, weshalb der Rest nicht so viel Platz braucht. Ganz konkret hat sich die durchschnittliche Fläche pro Arbeitplatz mit dem Umzug in unser neues Gebäude gegenüber manchen der alten Liegenschaften nahezu halbiert. Zugleich sinkt die Anzahl der verfügbaren Plätze um 20%. Es ist also leicht nachvollziehbar, warum ein Modell “shared space” aus Betreibersicht vorteilhaft ist.

Ich würde mir natürlich auch gern Zeit und Kosten des Pendelns sparen. Das kann ich immer dann, wenn ich zuhause arbeite. Aber entgegen allen Lobpreisungen auf die Segen des Home Office möchte ich mal festhalten: Ich will das eigentlich gar nicht.

Neben den zB von Google beschriebenen Faktoren für den Zusammenhalt der Teams kommen aus meiner Sicht ganz praktische Gründe hinzu. Will ich zuhause nicht buchstäblich am Küchentisch arbeiten, dann brauche ich einen vernünftigen Schreibtisch plus Beleuchtung, einen Bürostuhl, der Menschen meines Formates angemessen ist und Dinge wie Tastatur, Monitor, Netzwerk & Co. Bleibt man bescheiden, kostet all das in der Anschaffung etwa 2000 EUR, mit ein wenig Anspruch an Funktion oder Schönheit ist nach oben kein Limit gesetzt.

Die Idee erscheint komisch, dass ich privat Mobiliar kaufe, damit mein Arbeitgeber 20% der Schreibtische einspart. Und habe ich Platz dafür, für den ich möglicherweise zudem Miete zahle? Was ist mit einem ruhigen Umfeld, damit ich konzentriert arbeiten kann? Wer als Single allein zuhause ist, trifft dort niemanden. Wer aber mit Kind und Hund in einem Haus lebt, der ist immer irgendwie involviert.

Selbst als Freelancer wollte ich allein nicht zuhause arbeiten. Wie viele andere habe ich so angefangen, aber schon nach einer kurzen Zeit habe ich mir ein kleines Büro im Ort gesucht: Ein paar Quadratmeter, nicht zu weit zum täglichen Radfahren, aber weit genug, dass die Arbeit zuhause kein Thema mehr spielt. Diese Distanz war mir wichtig, Stichwort “Work-Life Balance”. Auch Google geht darauf ein.

Als Angestellter macht es wenig Sinn, sich privat ein Büro zu mieten. Gäbe es das in Lohmar, ich würde mich in Co-Working Spaces setzen. Die nächsten sind 12-15 Kilometer von zuhause entfernt, und somit schon wieder keine echte Lösung.