Das war ein Ritt. Das Jahr ist fast rum, mein Wechsel aus der Selbständigkeit in das Angestelltendasein ist vollbracht. Aber das Abschließen aller Aktivitäten war recht mühsam.

Die Auflösung des Inventars über die Verkaufswebsite und parallel bei Ebay Kleinanzeigen war ein Erfolg. Ich hatte ordentliche Fotos von allen Artikeln gemacht (weißer Fotohintergrund, Fotolampe, SR-Kamera auf Stativ) und die Produktdaten in einer Google-Tabelle gesammelt. Das gab mir die Möglichkeit, alles auch von unterwegs zu bearbeiten, während zugleich meine IT Infrastruktur aufgelöst wurde. Aus den Daten bei Google habe ich dann mit Middleman eine statische Website exportiert und auf einem einfachen Webspace gehostet. Keine Datenbank, keine serverseitigen Runtimes, einfachste Installation. Sehr gut.

Fast alles konnte ich verkaufen, wenn auch zum Teil mit erheblichen Abschlägen. Nur ein paar Tische und Lampen blieben am Ende unverkäuflich übrig – und wurden verschenkt. Die wenigsten Probleme beim Verkauf hat man (wenig überraschend) mit Elektronik, vor allem wenn die Sachen noch recht zeitgemäß sind. Da lohnt es sich, in gute Ausstattung zu investieren. Möbel hingegen sind in der Anschaffung sauteuer, und im gebrauchten Verkauf fast nichts wert.

Für die Abwicklung und Übergabe aller Projekte und Dienstleistungen hatte ich den Kunden und mir gut drei Monate bis Ende März Zeit gegeben. Die Zeit wurde auch benötigt, weil Ansprechpartner nicht sofort bereit standen und Übergabekonzepte entwickelt werden mussten. Bis auf zwei Projekte war Anfang April alles übergeben. Die letzten Schritte in dieser Sache musste ich gestern gehen, so lange war ein Kunde nicht in der Lage, seine Daten selbst zu übernehmen.

Das Thema Steuern und Finanzen war erwartungsgemäß ärgerlich. Auch wenn man innerlich die Selbständigkeit längst abgehakt hat, muss doch weiter Umsatzsteuer gemeldet und Termine eingehalten werden. Hier war wichtig, die Buchhaltungssoftware bis zum letzten Tag am Leben zu halten.

Ende Oktober konnte ich dann endlich die angemieteten Büros abgeben. Im Gewerbereich sind langlaufende Mietverträge keine Seltenheit, da war ich mit den 3 Jahren noch recht gut dran. Wir diskutieren noch immer über die Rückgabe der Kaution und die Abrechnung von Einbauten, die ich beim Einzug kaufen musste. Ich kann nur jedem empfehlen, sich hier auf gar nichts einzulassen: Abschläge für Festeinbauten sind quasi immer ein schlechtes Geschäft, wenn man wieder auszieht.

Und sonst? Vieles ist überschätzt, das man bislang für unverzichtbar hielt. Social Media zum Beispiel. Ich hab mich überall abgemeldet, verwende auch kein Whatsapp Konto mehr. Und lasse mich nicht mehr von ständigen Einflüssen irre machen. Das beruhigt, löst aber auch Verbindungen zu all jenen, mit denen man nur losen Kontakt online hielt. Oder anders: Berufliche Kontakte sind fast alle sofort eingeschlafen. Das ist im einen oder anderen Fall schade, aber wohl nicht zu ändern. Heute gönne ich mir viel mehr "nicht-digitale" Phasen als früher, bin weniger online und reagiere nicht mehr sofort. Das einzig verbliebene Medium ist Email, und da kann es durchaus einen Tag dauern, bevor ich eine Nachricht lese. Digitale Entschleunigung, wenn du so möchtest.

Für das kommende Jahr erwarten mich interessante Aufgaben: Teamaufbau, Ausbildung und Gestaltung unseres Geschäftsbetriebes. Ich freue mich darauf, und wünsche Dir und uns ein gutes neues Jahr, Gesundheit, Glück und Erfolg.