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Recruiting in kleinen Firmen Warum scheinbar Rockstars oder Ninjas gesucht sind

Über uns

In der Vergangenheit habe ich mehrfach die Erfahrung gemacht, dass die Vorkenntnisse von Bewerbern nicht zu den Anforderungen des Jobs passten, obwohl die Menschen zB ihr Studium mit guten Noten abgeschlossen hatten. Wie kann das passieren, obwohl es sich durchweg um motivierte und formell qualifizierte Menschen gehandelt hat? Wir haben daher angefangen zusammenzutragen, was man bei uns zB als Webentwickler können sollte. Die Auflistung ist noch sicher nicht perfekt oder gar abschließend, sie zeigt aber bereits unser Problem:

Moderne Webentwicklung ist interdisziplinär

In großen Unternehmen werden Produkte und Services durch mehrere Teams entwickelt, die zusammenarbeiten, dennoch aber fachlich voneinander getrennt sind. Da gibt es Designer und Redakteure, Projektmanager und Datenbankadmins, Backend-Entwickler und HTML-Spezialisten, um nur ein paar der bei uns häufigsten Fachrichtungen zu nennen. Kleine Firmen haben für gewöhnlich nicht die Ressourcen, um diese Bereiche personell so trennscharf voneinander abzugrenzen. Die Folge:

Wenn wir eine Online-Anwendung für den Kunden entwickeln, dann muss man auch mal Designfragen beantworten, obwohl das Thema der Aufgabe evtl eine Datenbanktabelle ist. Oder man muss die Anwendung auf dem Server aktualisieren und dafür Admin-Tätigkeiten beherrschen, nachdem man zuvor einen HTML-Fehler behoben hat.

Das zeigt sich in unseren Anforderungen: Erfolgreiche Webentwickler müssen bei uns mindestens grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Coding, Backend, Infrastruktur, Frontend und Organisation besitzen. Das schließt so verschiedene Themen wie Datenstrukturen, Sicherheitsmechanismen, Typographie & Farbenlehre oder Projektdokumentation mit ein. Fakt ist: Die meisten Bewerber bringen diese Fähigkeiten nicht mit, zumindest nicht aus all diesen Bereichen. Dass es uns da nicht anders geht als vielen anderen Unternehmen, zeigt die Anzahl der Stellenanzeigen, in denen von Rockstars, Ninjas oder ein wenig professioneller Fullstack-Entwickler die Rede ist:

job listings

Hier werden weder Gitarrengötter noch Wurfsternschwinger gesucht, die Unternehmen wünschen sich Bewerber, deren Kenntnisse deutlich über das gewöhnlich anzutreffende Maß hinausgehen. Das gleiche gilt für die sog. Fullstack Developer, bei denen "Full stack" (engl. gesamter Stapel) anzeigt, dass sie Kenntnisse aus allen anzutreffenden Disziplinen haben. Es reicht nicht, zB "nur" Design zu beherrschen, aber nicht programmieren zu können.

Gutes Personal war schon immer rar

Große wie kleine Unternehmen müssen sich anstrengen, um erfolgreiche und motivierte Mitarbeiter zu finden, zu integrieren und zu halten. Kleine Unternehmen stehen aber zusätzlich vor der Schwierigkeit, universell einsatzbare Generalisten zu benötigen: Die durch den Bologna-Prozess hervorgebrachten zahlreichen Bachelor- und Masterstudiengänge bewirken aufgrund ihrer immer weiter gehenden Spezialisierung das genaue Gegenteil.

Eine Bildungsreform, die vorrangig großen Unternehmen nutzt, obwohl mehr als 99% der Unternehmen in Deutschland zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu zählen sind – der Verschwörungstheoretiker in mir hätte daran seine helle Freude. Aber das heb ich mir für später auf.