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Excel ist keine Digitalisierung

IT Strategie

Mehr 32 Millionen PC-Arbeitsplätze soll es lt. Statista in Deutschland derzeit geben. Wie kann man angesichts dessen davon sprechen, dass die Digitalisierung der Wirtschaft nicht vorankomme? Einfach: Unsere Arbeitsweise hat sich nicht geändert. Wir verwenden PCs und Software wie elektrifizierte Versionen von Papier und Bleistift und nutzen die spezifischen Fähigkeiten überwiegend nicht.

Excel ist da ein gutes Beispiel. Das beliebte Tabellenkalkulationsprogramm von Microsoft ist nahezu omnipräsent. Es gibt (neben gelegentlicher Zahlen) wohl nichts, was nicht in Excel gespeichert werden würde:

  • Geburtstage
  • Inventurlisten
  • Arbeitspläne
  • Reisekostenabrechnung
  • Urlaubszettel (werden aber ausgedruckt, da Freigabe offline erfolgt)
  • Bestellungen von Bürobedarf
  • … und alles andere auch.

Der Grund liegt auf der Hand: Excel ist so schön anschaulich. Es gibt Linien und Kästchen, in die man etwas reinschreiben kann, damit es ordentlich untereinander steht. Hand aufs Herz: Haben Sie schon mal Excel-Funktionen wie SVERWEIS oder DBSTDABW verwendet? Wenn nicht, dann sind Sie in bester Gesellschaft: Lt. den Studien zur Erhebung der (kompetenten) Nutzung des Internets gehören Sie damit zur weitaus größten Gruppe deutscher PC-Benutzer.

Was ist falsch daran, fragen Sie? Durch die unpassende Verwendung von Excel (wie jedem anderen Werkzeug) entstehen Fehler, leiden die Ergebnisse. Erinnern Sie sich an den Excel-Fehler, die die europäische Schuldenpolitik nachhaltig beeinflusst hat? Es muss nicht immer so dramatisch sein, vergessene 1000 Euro in der fehlerhaften Excel-Buchhaltung tun auch weh. Fakt ist: Das nette Rechenblatt macht Fehler wahrscheinlich, weil sie leicht übersehen werden. Nicht umsonst heisst es: Irren ist menschlich. Wer richtig Mist bauen will, braucht einen Computer.

Zurück zum Thema: Wir müssen uns freimachen von der Vorstellung, dass die Digitalisierung bereits vorangekommen sei, bloss weil jeder Schreibtisch mit einem PC zugestellt ist. Es gibt immer noch viel zu viele EDA-Schnittstellen, die darin bestehen, dass Menschen stupide Arbeiten erledigen, die digital besser und wirtschaftlicher wären – einfach weil das Wissen um die möglichen Lösungen fehlt. Betriebsblindheit und Gewohnheit tun ein übriges dazu.

Wir reden uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Mund fusselig, weil wir auf das enorme wirtschaftliche Potential durch kluge digitale Lösungen hinweisen. Es gibt aber immer noch zu viele, die angesichts nicht wegzudenkender Elektronik an jeder Ecke davon ausgehen, dass der Weg bereits gegangen sei. Tatsächlich befinden wir uns gerade am Anfang.

Update: Wissenschaftler sind auch nur Menschen und so wundert es nicht, dass knapp 30% der untersuchten wissenschaftlichen Arbeiten Fehler aufwiesen, die auf schludrige Verwendung von Excel zurückzuführen waren.

Ein im Journal Genome Biology publizierter Artikel […] wirft ein desaströses Bild auf die Fähigkeiten von Wissenschaftlern im Umgang mit Standard-Office-Software.