Beratungs-Hotline

Überstunden? Bitte nicht.

Projekte

Überstunden sind hier nicht gerne gesehen, zumindest nicht als regelmäßige Erscheinung. Natürlich kann es mal vorkommen, dass plötzlich eine Festplatte stirbt und der Server repariert werden muss – das muss halt erledigt werden, auch wenn es außerhalb der regulären Arbeitszeit geschieht. Aber es gibt bei uns keine schrägen Blicke, wenn jemand seinen Platz zur normalen Zeit verlässt. Im Gegenteil: Wir sehen es als Problem, wenn kontinuierlich länger gearbeitet werden muss.

Kreativität als endliche Ressource

Wer bereits 8-10 Stunden an einem Problem gearbeitet hat, dem raucht bereits der Kopf. Aller Erfahrung nach wird man in der elften und zwölften Arbeitsstunde keinen neuen Durchbruch erleben. Heldentum ist hier fehl am Platz, da ineffektiv: Besser und erfolgversprechender ist, die Arbeit zu beenden, den Kopf frei zu bekommen und am nächsten Tag mit neuer Kraft zu starten.

Work-Life-Balance ist auch eine Holschuld

Das viel beschworene Gleichgewicht von Arbeitszeit und Erholung ist etwas, was nicht nur ermöglicht, sondern auch in Anspruch genommen werden muss. "Stunden abreißen" zeugt nicht von Engagement, sondern von einer Arbeitsauffassung, die Anwesenheit mit Ergebnis gleichsetzt.

Management-Problem "schlechte Planung"

Werden mehr Stunden gearbeitet als geplant waren, dann ist die Planung nicht korrekt. Das kann bedeuten, dass nicht alle Arbeiten vorhergesehen wurden. Es kann auch belegen, dass die Umsetzung länger dauerte als angenommen. Beides mag vereinzelt vorkommen, sollte aber als Zeichen dafür verstanden werden, dass die Qualität der Planung verbessert werden muss. Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Warum waren Arbeiten auszuführen, die nicht kalkuliert waren? War das Konzept von Anfang an lückenhaft oder führten Änderungen im Projektverlauf zu unkalkulierter Mehrarbeit?
  • Wurde die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter richtig eingeschätzt? Im Falle von Differenzen: Was war der Grund?
  • Was kann getan werden, um zukünftig den Grad der Genauigkeit zu verbessern?

Es ist Aufgabe des Projektmanagements, hier Antworten zu geben.

Termine müssen realistisch sein

Auch unpassend zugesagte Liefertermine sind immer wieder Anlass für Mehrarbeit: Wer Termine verspricht, muss auch in der Lage sein zu liefern. Das darf aber nicht auf dem Rücken der Kollegen passieren, die den geänderten Termin nur durch Sonderschichten halten können.

Schließlich kann der beste Plan nicht gelingen, wenn falsch gerechnet wird, wie ein Beispiel zeigt: Wie viele Tage sollte man für ein geschätztes Volumen von 80 Arbeitsstunden einplanen?

  • Die Produktivität der Mitarbeiter sinkt, wenn diese durch Meetings oder anderes von der Arbeit abgelenkt werden. Zudem ist der Mensch keine Maschine: Kreativität lässt sich nicht für 8 Stunden einschalten. Es ist daher sinnvoll, bei Vollzeit-Mitarbeitern je nach Unternehmen nicht mehr als 4-6 Stunden pro Tag für Projekte einzukalkulieren. Teamleitung und andere organisatorische Aufgaben können diese Zahl noch weiter absenken.
  • Bei mehreren beteiligten Mitarbeitern ist der Kommunikationsaufwand einzuberechnen.
  • Wochenende, Feiertage, Urlaub und anderes (Außentermine? Messen? Reisezeiten?) müssen ebenfalls einberechnet werden. Da kann eine Woche auch mal nur 2 Arbeitstage oder weniger haben.

Somit ist es durchaus möglich, dass ein Projekt von 80 Arbeitsstunden frühestens in vier Wochen abgeschlossen sein kann. Sportliche Ziele wie "Wir schauen mal, ob wir es in 10 Tagen hinbekommen" gehören auf den Sportplatz, aber nicht in die Softwareentwicklung.